Leider machen viele Menschen auf Kinderwunschreise die traurige Erfahrung, ein ungeborenes Baby zu verlieren. Wieso das passiert, was mögliche Anzeichen für eine Fehlgeburt sind und wann du Anspruch auf Mutterschutz hast: In diesem Artikel findest du die wichtigsten Informationen im Überblick.
Wie häufig verlieren Frauen ein ungeborenes Baby?
In jeder Minute erleiden 44 Frauen auf der Welt eine Fehlgeburt. Das ist eine Zahl, die einen Moment braucht, bis man sie verarbeitet. Die genauen Zahlen zu Fehlgeburten in Deutschland sind schwer zu nennen – denn es gibt einerseits keine Pflicht, Fehlgeburten zu erfassen, andererseits laufen viele von ihnen unbemerkt ab. Vielleicht hast du schon die Zahl gehört, dass jede dritte Frau ein ungeborenes Kind verliert. Fachleuchte gehen davon aus, dass eine von fünf Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt endet.
Besonders häufig tritt ein Abort – wie es in der Fachsprache heißt – in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten auf.
Schätzungen zufolge kann sich rund die Hälfte der befruchteten Eizellen in dieser Phase nicht weiterentwickeln. Das gilt für Frauen unter 30, ab diesem Alter ist das Risiko noch höher. Das umfasst alle Schwangerschaften, auch die, die noch gar nicht entdeckt wurden. Ab der fünften Schwangerschaftswoche – also ab dem Zeitpunkt, wenn eine Schwangerschaft festgestellt werden kann – kommt es demnach in zehn bis 20 Prozent der Fälle zu einer Fehlgeburt. Welche dieser Zahlen dir auch im Kopf bleiben mag, fest steht: Leider gehört es für viele Frauen und Paare dazu, im Leben die traurige Erfahrung einer Fehlgeburt zu machen.
Frühabort, Spätabort, Totgeburt: Wo liegen die Unterschiede?
Die Trauer ist immer groß, doch in der Fachsprache unterscheiden sich die Bezeichnungen je nach Zeitpunkt, an dem eine Frau das Baby verliert. Und es kann wichtig sein, hier die Feinheiten zu kennen – denn davon hängt unter anderem ab, ob du Anspruch auf Mutterschutz hast, nachdem du das Baby verloren hast.
Wenn eine Fehlgeburt innerhalb der ersten zwölf Wochen eintritt, spricht man von einem Frühabort. In dieser Zeit ist das Risiko wie gesagt besonders hoch, gleichzeitig kann es für Frauen in dieser Zeit besonders schwierig sein, die Trauer zu verarbeiten, da sie die Schwangerschaft häufig noch nicht öffentlich gemacht haben. Nach der 16. und vor der 24. Schwangerschaftswoche spricht man von einem Spätabort. Verliert eine Frau später ein Baby – oder ein Baby, das bereits mehr als 500 Gramm wiegt – ist es eine sogenannte Totgeburt.
Mutterschutz gibt es nach aktuellen Regelungen in Deutschland nur im Falle einer Totgeburt. Dann hat die Frau eine achtwöchige Schutzfrist nach der Entbindung, sie darf in dieser Zeit nicht arbeiten und bekommt Mutterschaftsgeld. Es gibt Initiativen, wie z.B. Familie sind Alle – Familienpolitik stärken, die dafür kämpfen, auch bei einem früheren Verlust des Babys Mutterschutz zu gewähren – bislang aber leider noch ohne Erfolg in Form einer Gesetzesänderung.
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Was sind häufige Ursachen für Fehlgeburten?
Jede Frau ist anders, jede Schwangerschaft ist anders und so ist auch der Verlust jedes ungeborenen Babys anders.
Als häufige Ursache für eine Fehlgeburt werden genetische Veränderungen des Babys genannt.
Vor allem in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten ist der Embryo sehr empfindlich für Störungen, dann können selbst kleinste Fehlentwicklungen dazu führen, dass der Embryo nicht überlebensfähig ist.
Statistiken zufolge sind bei 50 bis 70 Prozent der Frühaborte Fehler im Chromosomensatz dafür verantwortlich, dass ein Embryo es nicht schafft. Auch eine grundlegende Störung bei der Befruchtung oder Einnistung kann zu einer Fehlgeburt führen. Und es gibt viele weitere Ursachen: zum Beispiel Infektionen der Schwangeren, chronische Erkrankungen, Veränderungen der Gebärmutter (etwa durch Polypen oder Myome), Beeinträchtigungen der Plazenta oder sehr übermäßiger Stress bei der Schwangeren. Auch der Konsum von Alkohol, Nikotin oder Drogen kann zu einer Fehlgeburt führen.
Es lässt sich also pauschal unmöglich sagen, woran es liegt, dass Embryos nicht überleben. Auch Ärzt:innen können nach dem Verlust des ungeborenen Babys die Ursache nicht immer herausfinden – was eine zusätzliche Belastung darstellen kann. Was ebenfalls besonders herausfordernd ist: Es gibt sogenannte habituelle Aborte – davon spricht man, wenn eine Frau dreimal oder öfter hintereinander ein Baby von demselben Partner vor der 20. Schwangerschaftswoche verliert. Finden Expert:innen eine Ursache dafür, kann diese eventuell medikamentös oder durch einen Eingriff behoben werden – bei etwa der Hälfte aller Frauen wird allerdings kein Grund entdeckt und es heißt immer wieder: es versuchen, hoffen und abwarten.
Was sind mögliche Anzeichen für eine Fehlgeburt?
Vor allem, wenn Frauen bereits die Erfahrung einer Fehlgeburt gemacht haben, ist oft die Sorge groß, dass bei einer Schwangerschaft wieder etwas schief geht. Die Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt, sind vielfältig und sollten in jedem Fall mit den zuständigen Ärzt:innen abgeklärt werden.
Ein Warnsignal, das du ernst nehmen solltest, sind Blutungen.
Während einmalige Blutungen auch in einer gesunden Schwangerschaft durchaus auftreten können, sind ungewöhnlich starke Blutungen und krampfartige Unterbauchschmerzen ein echtes Alarmsignal, das es unbedingt abzuklären gilt.
Solange bei einer Blutung der Muttermund noch fest verschlossen ist und Herztöne feststellbar sind, handelt es sich möglicherweise um einen drohenden Abort und in Absprache mit den Ärzt:innen sollte die Schwangere sich strikt schonen und engmaschig betreut werden. Weitere Anzeichen – vor allem in der fortgeschrittenen Schwangerschaft – können ausbleibende Kindsbewegungen und vorzeitige Wehen sein.
Was passiert nach einer Fehlgeburt?
Wenn die traurige Gewissheit besteht, dass der Embryo nicht überlebt hat, hängt der weitere Ablauf vor allem von der Phase ab, in der die Schwangerschaft war.
In den ersten Wochen ist meist kein Eingriff erforderlich, der Körper stößt den Embryo zusammen mit der Plazenta in Form einer Blutung aus. Es kann nötig sein, auch dann noch in Form einer Ausschabung oder Absaugung Gewebereste aus der Gebärmutter zu entfernen – das entscheiden die zuständigen Ärzt:innen in Absprache mit der Frau. Alternativ ist es auch möglich, nicht auf das natürliche Ausscheiden zu warten, sondern diesen Vorgang medikamentös zu beschleunigen oder direkt auf eine Ausschabung oder Absaugung zu setzen.
Bei einem Spätabort – also nach der 16. Schwangerschaftswoche – muss eine sogenannte stille Geburt eingeleitet werden. Dafür bekommt die Frau Medikamente, um das Baby vaginal zur Welt zu bringen. Im Einzelfall kann man auch darauf warten, dass ohne Hilfe von Medikamenten die Wehen einsetzen. Einige Krankenhäuser bieten für stille Geburten bestimmte Räume an, die nicht direkt im Kreißsaal-Bereich liegen.
Wann kannst du nach einer Fehlgeburt wieder versuchen, schwanger zu werden?
Das hängt natürlich stark davon ab, wie du dich selbst fühlst und wann dein Körper wieder bereit für eine erneute Schwangerschaft ist. Besprich das am besten individuell mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Grundsätzlich gilt, dass du die erste reguläre Periode abwarten solltest, da das ein Anzeichen ist, dass dein Körper wieder ins Gleichgewicht zurückfindet. Wenn es sich allerdings um eine späte Fehlgeburt oder eine Totgeburt handelte, solltest du länger warten. Hier braucht der Körper länger, um wieder bereit für eine Schwangerschaft zu sein – und auch die emotionale Verarbeitung nimmt meist mehr Zeit in Anspruch.
Höre also gut auf dich selbst und sei dazu eng im Austausch mit den Ärzt:innen deines Vertrauens.