Kannst du mit Endometriose schwanger werden?

Eine Frau mit Endometriose / Menstruationsbeschwerden
iStock/Charday Penn

Eine bedrückende Zahl zum Start: bei 40 bis 50 Prozent der Frauen, deren Kinderwunsch sich nicht erfüllt, ist Endometriose die Ursache. Doch das muss nicht bedeuten, dass du nicht schwanger werden kannst, wenn du Endometriose hast. Es gibt immer wieder Geschichten, die Hoffnung machen – und außerdem verschiedene Behandlungsmöglichkeiten.  

Was ist Endometriose?  

Endometriose war lange unbekannt, hat in den vergangenen Jahren aber viel Aufmerksamkeit bekommen. Denn es gibt wachsende Aufklärung zum Thema und immer mehr Frauen mit Endometriose, die ihre Geschichten öffentlich machen. Für Betroffene ist das Wissen um ihre Endometriose oft eine Erleichterung. 

Viele Frauen leiden teilweise bereits seit Jahren an fast unerträglichen Schmerzen während der Periode – und ihnen wurde oft eingeredet, das sei normal. Doch das ist es nicht: Die starken Schmerzen sind ein Symptom von Endometriose.  

Es handelt sich dabei um eine chronische Krankheit, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst. Das Gewebe siedelt sich zum Beispiel an den Eierstöcken, im Bauchraum, in der Beckengegend, am Darm oder am Bauchfell an. Das Endometriose-Gewebe kann theoretisch an jeder Stelle im Körper wachsen, es gibt sogar Fälle, bei denen es sich an der Lunge ansiedelt.  

Endometriose ist laut „Endometriose Vereinigung“ die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung. (Auf Platz 1 liegen Myome, zu denen du bei fertilitips ebenfalls in Kürze einen Artikel findest.) Alle Personen mit Gebärmutter können an Endometriose erkranken, in seltenen Fällen wurde die Krankheit sogar schon im Rahmen einer Prostatakrebs-Behandlung bei Männern entdeckt.  

Da Endometriose sehr unterschiedlich aussehen kann, wird die Erkrankung auch das „Chamäleon der Gynäkologie“ genannt. Es gibt Betroffene, die keine Beschwerden haben, die meisten von ihnen haben aber starke Schmerzen und weitere Symptome.  

Eierstöcke und en Stethoskop
iStock/Renata Hamuda

Endometriose und Kinderwunsch 

Man geht davon aus, dass 5 bis 15 Prozent aller Frauen an Endometriose leiden. Besonders belastend ist das, wenn ein Kinderwunsch besteht – denn Endometriose kann die Entstehung und den Verlauf einer Schwangerschaft auf verschiedene Weise negativ beeinflussen. „Die genauen pathophysiologischen Zusammenhänge sind noch nicht abschließend geklärt, Studien weisen jedoch auf einen multifaktoriellen fertilitätsmindernden Prozess hin“, heißt es in der Studie „Fertilität bei Endometriose“ aus dem Jahr 2023. Vereinfacht gesagt bedeutet das: Die Forschung läuft noch, fest steht aber, dass es verschiedene Faktoren gibt, durch die sich Endometriose bei Kinderwunsch negativ auswirkt. Der Studie zufolge spielt die Reproduktionsmedizin – also Kinderwunschbehandlungen – eine große Rolle, damit sich ein Kinderwunsch bei Endometriose-Patientinnen erfüllt. Es gibt sogar Kinderwunschzentren, die sich auf die Behandlung von Endometriose-Patientinnen spezialisiert haben.  

Es gibt aktuell viele Untersuchungen zu Endometriose und Kinderwunsch, die Ergebnisse deuten darauf hin, dass es eine verminderte Eizellenqualität bei Endometriose-Patientinnen gibt. Und auch Operationen, um zum Beispiel Endometriose-Zysten an den Eierstöcken zu entfernen, können die Eizellenreserve reduzieren, wie die Expert:innen der Uniklinik Mainz schreiben. Gleichzeitig sorgen die Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut durch Endometriose dafür, dass die Rezeptivität nicht optimal ist – dass sich Eizellen also nicht so gut einnisten können. 

Und auch wenn es klappt, dass sich eine befruchtete Eizelle einnistet und so eine Schwangerschaft entsteht: Leider führt Endometriose Studien zufolge zu einer erhöhten Zahl von Fehlgeburten im frühen Stadium der Schwangerschaft (Expert:innen geben ein 75 Prozent höheres Risiko für Fehlgeburten im Vergleich zu gesunden Frauen an). Hinzu kommt, dass Endometriose die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen während der Schwangerschaft steigert: Es gibt überdurchschnittlich viele Frühgeburten und einen erhöhten Bedarf an neonatologischer Betreuung der neugeborenen Babys von Frauen mit Endometriose.  

Das alles soll dich nun aber nicht entmutigen, falls du auf Kinderwunschreise bist und Endometriose hast – oder den Verdacht, dass Endometriose vorliegt. 

Es gibt immer wieder Geschichten, von Frauen, die es geschafft haben: die trotz Endometriose schwanger wurden und gesunde Kinder zur Welt gebracht haben. 

Social Media kann hier eine gute Quelle für hoffnungsgebende Geschichten sein, genau wie der Austausch mit anderen Betroffenen, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen.  

Ursachen und Behandlung von Endometriose  

Wie es zur Entstehung von Endometriose kommt, ist leider noch ungeklärt, weshalb auch keine Prävention möglich ist. Die Krankheit wirkt sich auf den Hormonhaushalt und auf das Immunsystem aus, was sie zu einer systemischen Erkrankung macht. Es ist deshalb sinnvoll, Endometriose interdisziplinär und ganzheitlich zu behandeln. Dabei geht es in erster Linie um eine Linderung der Symptome – eine komplette Heilung von Endometriose ist aktuell leider noch nicht möglich.  

Wenn du Endometriose hast und dir ein Kind wünschst, ist es sinnvoll, dich früh in gute gynäkologische Behandlung zu geben und möglicherweise mit einem Kinderwunschzentrum in Kontakt zu treten. Hier geht es nicht darum, direkt den Weg der künstlichen Befruchtung zu gehen – die Expert:innen dort können zunächst herausfinden, ob es weitere Faktoren gibt, die einer Schwangerschaft im Weg stehen und dann die möglichen nächsten Schritte mit dir durchgehen.  

Endometriose und Ernährung: Wo du ansetzen kannst 

Die erhöhten Herausforderungen auf der Kinderwunschreise sind ein besonders belastender Faktor bei Endometriose, doch auch abseits davon leiden Betroffene häufig stark unter der Erkrankung, vor allem wegen der massiven Schmerzen. Hier kann die Ernährung einen Ansatzpunkt bieten: Denn Endometriose wird von chronischen Entzündungsprozessen begleitet und so empfehlen sich alle Lebensmittel, die als entzündungshemmend gelten. Dazu zählen zum Beispiel Omega-3-Fettsäuren (in Leinsamen, Chiasamen oder Walnüssen), Obst und Gemüse, vor allem Beeren, Brokkoli, Spinat und Grünkohl. Außerdem Vollkornprodukte wie Hafer, Quinoa oder Dinkel und Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen, schwarze Bohnen). Die Liste könnte noch lange weitergehen, tauche gerne tiefer ins Thema ein, wenn das für dich nach einem spannenden Ansatz klingt.  

Außerdem haben Frauen gute Erfahrungen damit gemacht, auf pflanzliche Ernährung umzustellen. Viele Informationen und wertvollen Input dazu findest du auf der englischsprachigen Plattform „Know your Endo“, die von der US-amerikanischen Podcasterin und Autorin Jessica Murnane ins Leben gerufen wurde. Auch wenn diese Informationen nicht unbedingt dabei helfen, schwanger zu werden, können sie dazu beitragen, mehr Wissen über die Erkrankung zu erlangen und deine Beschwerden zu lindern – und das ist während der ohnehin schon kräftezehrenden Kinderwunschreise sicher viel wert.  

Love-Note

Kennst du eine mutmachende Geschichte von Frauen mit Endometriose, die schwanger geworden sind oder hast du andere spannende Inspiration, von der mehr Menschen auf Kinderwunschreise erfahren sollen? Dann melde dich gerne bei der fertilitips-Redaktion – wir freuen uns immer über Austausch mit unserer Community.