Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) und Fruchtbarkeit

Der Schriftzug PCOS und eine Lupe
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Das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) ist eine der häufigsten endokrinen Störungen (Störungen komplexer hormoneller Regelkreise mit multiplen systemischen Auswirkungen), die Frauen im gebärfähigen Alter betrifft. Weltweit sind rund 5–10 % der Frauen betroffen. Damit ist PCOS eine der Hauptursachen für weibliche Unfruchtbarkeit. Bei vielen Betroffenen reifen die Eizellen nicht regelmäßig heran, sodass der Eisprung seltener oder gar nicht stattfindet. Dennoch zeigen Studien: Mit gezielten Therapien und Anpassungen im Lebensstil können mehr als 70 % der Frauen mit PCOS schwanger werden (Teede et al., 2018).

In diesem Artikel werden wir die Ursachen, Diagnosemethoden und Therapiemöglichkeiten für PCOS näher betrachten. Diese Erkrankung kann zu einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen führen, darunter Unfruchtbarkeit, unregelmäßige Menstruationszyklen und hormonelle Veränderungen. Wir stellen dir die Ursachen, Diagnosemethoden und Therapiemöglichkeiten für PCOS näher vor.

Ursachen von PCOS

Die genauen Ursachen von PCOS sind nicht vollständig geklärt, doch verschiedene Faktoren scheinen zusammenzuwirken. Genetische Einflüsse spielen eine Rolle, da die Erkrankung in Familien gehäuft auftritt. Hinzu kommt ein hormonelles Ungleichgewicht, das sich vor allem durch erhöhte Spiegel männlicher Hormone (Androgene) zeigt. Diese verhindern, dass Eizellen normal heranreifen.

Etwa 70 % der Frauen mit PCOS leiden außerdem unter einer Insulinresistenz. Der Körper produziert dadurch mehr Insulin, was wiederum die Bildung von Androgenen anregt und Zyklusstörungen verstärkt. Übergewicht, Bewegungsmangel und Ernährung können diesen Mechanismus zusätzlich beeinflussen.

rosa Eicherstöcke aus Blumen nachgestellt
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Symptome von PCOS

PCOS äußert sich auf sehr unterschiedliche Weise. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Zyklusstörungen: Unregelmäßige oder fehlende Regelblutungen betreffen rund 75–85 % der Frauen mit PCOS.
  • Übermäßige Androgene: Etwa 70 % entwickeln sichtbare Anzeichen wie Akne, fettige Haut, vermehrte Körperbehaarung (Hirsutismus) oder Haarausfall am Kopf.
  • Gewichtszunahme: Rund 50–60 % der Betroffenen haben Übergewicht oder Adipositas.
  • Stoffwechselstörungen: Bis zu 40 % entwickeln eine Insulinresistenz, das Risiko für Typ-2-Diabetes ist mehr als doppelt so hoch wie bei Frauen ohne PCOS.
  • Psychische Belastung: Studien zeigen, dass PCOS-Patientinnen ein bis zu dreifach erhöhtes Risiko für Depressionen und Angststörungen haben (Sulaiman et al., 2017).

Diagnose von PCOS

Die Diagnose von PCOS erfordert eine sorgfältige Untersuchung und kann verschiedene Methoden beinhalten. Dafür werden die Rotterdam-Kriterien angewandt: Mindestens zwei der folgenden drei Merkmale müssen erfüllt sein: unregelmäßiger Eisprung, erhöhte Androgenspiegel oder polyzystische Ovarien im Ultraschall.

  • Blutuntersuchungen zeigen oft ein erhöhtes Verhältnis von LH zu FSH (z. B. 2:1 oder höher), erhöhte Testosteronwerte (>70 ng/dl) oder niedriges SHBG.
  • Ultraschalluntersuchungen können polyzystische Ovarien sichtbar machen, die mehr als 12 Follikel von 2–9 mm pro Eierstock enthalten.
  • Anamnese und körperliche Untersuchung helfen, typische Symptome wie Hirsutismus oder Akne zu erfassen.

Behandlung von PCOS

Die Therapie richtet sich nach dem Ziel: Symptomlinderung oder Kinderwunsch.

Lebensstilmaßnahmen stehen immer am Anfang. Schon eine Gewichtsabnahme von 5–10 % kann den Hormonhaushalt stabilisieren und den Eisprung wiederherstellen. Studien zeigen, dass dadurch die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft deutlich steigt.

Medikamente können ergänzend helfen:

  • Clomifen oder Letrozol steigern die Eisprungrate. Bei Letrozol liegt die Ovulationsrate bei bis zu 70 % nach mehreren Zyklen.
  • Metformin verbessert die Insulinempfindlichkeit und kann Zyklusstörungen regulieren.
  • Myo-Inositol hat in Studien gezeigt, dass es die Zyklusregularität und Eizellqualität fördert.

Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, kommen Kinderwunschbehandlungen wie Insemination (IUI) oder In-vitro-Fertilisation (IVF/ICSI) zum Einsatz. Laut internationalen Leitlinien haben Frauen mit PCOS unter diesen Behandlungen vergleichbare Erfolgsraten wie andere Patientinnen mit Fruchtbarkeitsproblemen.

 

Leben mit PCOS und Kinderwunsch

Auch wenn PCOS den Weg zur Schwangerschaft erschwert, gibt es viele Möglichkeiten, die Chancen zu verbessern. Wichtig ist, frühzeitig ärztliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Ein gesunder Lebensstil, regelmäßige Bewegung und gezielte Therapien können entscheidend sein.

Viele Frauen mit PCOS erfüllen sich ihren Kinderwunsch – manche spontan, andere mit medizinischer Hilfe. Die Diagnose ist daher kein endgültiges Hindernis, sondern vielmehr ein Hinweis darauf, dass dein Körper besondere Unterstützung braucht.

 

Fazit

PCOS betrifft Millionen Frauen weltweit und zählt zu den häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit. Dennoch ist die Aussicht positiv: Mit Anpassungen im Alltag und den passenden medizinischen Maßnahmen können die Chancen auf eine Schwangerschaft erheblich steigen. Wichtig ist, sich gut zu informieren, Unterstützung anzunehmen und dranzubleiben – denn viele Frauen mit PCOS werden Mütter.

 

Quellen

  • Teede HJ et al. (2018): International evidence-based guideline for the assessment and management of polycystic ovary syndrome. Fertility and Sterility.
  • Legro RS et al. (2007): Clomiphene, Metformin, or Both for Infertility in the Polycystic Ovary Syndrome. NEJM.
  • Unfer V. et al. (2017): Myo-inositol effects in women with PCOS: a meta-analysis of randomized controlled trials. Endocr Connect.
  • Attia GM et al. (2023): Role of Metformin in Polycystic Ovary Syndrome (PCOS)-Related Infertility.
  • Sulaiman S. et al. (2017): Psychological burden among women with PCOS. Int J Women’s Health.