Unterschätzte Nebenwirkung: Wenn Schmerzmittel den Zyklus stören

Eine junge Frau mit braunem Haar nimmt eine Tablette ein. Dabei hält sie in der anderen Hand ein Glas Wasser.
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Viele von uns greifen bei Kopfschmerzen, Regelschmerzen oder Rückenschmerzen ganz selbstverständlich zu gängigen Schmerzmitteln, oft ohne zu hinterfragen, welche Auswirkungen sie auf den Körper haben. In einem vorangegangenen Artikel hat das Fertilitips-Team bereits beleuchtet, wie Ibuprofen die Fruchtbarkeit beeinflussen könnte.

Doch Ibuprofen ist nur ein Wirkstoff aus einer größeren Medikamentengruppe: den NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika). Können auch andere Wirkstoffe dieser Gruppe den natürlichen Zyklus, den Eisprung oder sogar die Eizellqualität beeinflussen? Wir haben für dich recherchiert und zeigen dir in diesem Artikel, welche weiteren Wirkstoffe zur NSAR-Gruppe gehören, wo sie enthalten sind und ob sie eventuell Auswirkungen auf deinen Kinderwunsch haben könnten.

NSAR: Wirkung auf Schmerzen und den Zyklus?

NSAR wirken schmerzlindernd, fiebersenkend und entzündungshemmend. Sie blockieren das Enzym Cyclooxygenase (COX), das für die Bildung von sog. Prostaglandinen zuständig ist. Diese hormonähnlichen Botenstoffe sind nicht nur an Entzündungen beteiligt, sondern spielen auch eine Rolle bei:

  • der Follikelreifung
  • dem Eisprung (Follikelruptur)
  • der Einnistung der Eizelle

Einige Forscher:innen vermuten: Wird die Prostaglandinbildung gehemmt, kann das den Zyklus stören und der Eisprung kann sich verzögern oder sogar ganz ausbleiben. Andere Ergebnisse weisen zudem auf einen möglichen Zusammenhang zwischen längerfristiger NSAR-Einnahme und einer verminderten ovariellen Reserve (also einer geringeren Zahl reifungsfähiger Eizellen) hin. Meta-Analysen zeigen, dass die Einnahme von NSAR rund um den Empfängniszeitraum mit einem rund zweifach erhöhten Risiko für Fehlgeburten verbunden sein kann (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34635936/)

Bild von einer Tabelle, die die NSAR Wirkstoffe auflistet und die üblichen Markennamen, unter denen wir sie kennen.
Fertilitips

Während Indometacin, Piroxicam, etc. meist bei chronischen oder starken Schmerzen wie Rheuma oder Gicht verschrieben werden, sind Medikamente mit Naproxen, Diclofenac oder ASS frei verkäuflich und damit für viele die erste Wahl bei Alltagsbeschwerden. Gerade deshalb sei ein bewusster Umgang wichtig, wie Prim. Priv. Doz. Dr. Schenk unterstreicht: 

Viele Schmerzmittel sind im Alltag gut verträglich – aber wer schwanger werden möchte, sollte den regelmäßigen Einsatz insbesondere rund um den Eisprung kritisch hinterfragen. Die Einnahme sollte möglichst mit einer Ärztin oder einem Arzt abgestimmt werden, um unbeabsichtigte Effekte auf den Zyklus oder die Fruchtbarkeit zu vermeiden.

NSAR und Fruchtbarkeit – was sagt die Forschung?

Ob alle NSAR-Wirkstoffe die Fruchtbarkeit gleichermaßen beeinflussen, ist bislang noch nicht abschließend geklärt. Die Forschung steckt vielerorts noch in den Anfängen.

Besonderer Fall: Acetylsalicylsäure (ASS)


Hier zeigen Studien ein differenziertes Bild: Der Wirkstoff ASS, der z.B. in Aspirin enthalten ist wird in niedriger Dosierung (Low Dose Aspirin, LDA) in einigen Kinderwunschkliniken gezielt eingesetzt, um die Durchblutung der Gebärmutterschleimhaut zu verbessern und die Einnistung zu fördern. Studien aus 2018 und 2021 deuten auf mögliche Vorteile hin, vor allem bei Frauen mit wiederholten Fehlgeburten oder Entzündungsreaktionen.
 Wichtig: Eine pauschale Empfehlung lässt sich nicht geben. Ob ASS bei dir sinnvoll ist, sollte immer individuell mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprochen werden.

Paracetamol als Alternative?

Paracetamol (auch bekannt als Acetaminophen) gehört nicht zur Gruppe der NSAR. Es wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend, gilt als magenfreundlich und greift, im Gegensatz zu NSAR, nicht direkt in die Prostaglandinproduktion ein. Deshalb wird es oft als potenziell fruchtbarkeitsneutrale Option eingestuft.

Allerdings möchten wir dich auch hier auf aktuelle Forschungsergebnisse aufmerksam machen: Erste Hinweise aus Studien der Jahre 2022 und 2024 deuten darauf hin, dass eine langfristige und hochdosierte Einnahme mit einer verminderten ovariellen Reserve in Verbindung stehen könnte. Auch bei Männern wurde in einer Meta-Analyse von 2023 beobachtet, dass Paracetamol unter bestimmten Umständen die Spermienqualität beeinflussen kann.

Die Ergebnisse sind noch nicht eindeutig. Umso wichtiger ist es, den eigenen Schmerzmittelkonsum achtsam zu reflektieren, besonders wenn du aktuell schwanger werden möchtest oder deine Fruchtbarkeit langfristig unterstützen willst.

Fazit: Schmerzmittel achtsam wählen

Nicht nur Ibuprofen, sondern auch andere NSAR wie Naproxen, Diclofenac oder ASS könnten Einfluss auf deine Fruchtbarkeit haben, besonders, wenn sie regelmäßig oder rund um den Eisprung eingenommen werden.

Wenn du schwanger werden möchtest oder deine Fruchtbarkeit bewusst unterstützen willst, lohnt es sich, genau hinzuschauen und gegebenenfalls mit deiner Ärztin oder deinem Arzt nach Alternativen zu suchen, denn dein Körper verdient Unterstützung ohne hormonelle Stolpersteine.