Vielleicht kennst du das: Ein pochender Schmerz breitet sich im Kopf aus, jedes Licht wird zur Qual, Geräusche sind kaum noch auszuhalten und manchmal kündigt sich alles schon Stunden vorher mit einer flimmernden Aura, Übelkeit oder einem diffusen Druckgefühl an. Migräne betrifft viele, wobei Frauen häufiger damit zu kämpfen haben als Männer.
Je nach Art der Schmerzen und Symptome kommen unterschiedliche Schmerzmittel wie z.B. Triptane oder Mittel gegen Übelkeit zum Einsatz. Häufig werden aber auch Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen aus der NSAR-Wirkstoffgruppe empfohlen. Gerade auf der Kinderwunschreise gibt es gute Gründe, diesen Weg kritisch zu hinterfragen, da NSAR in Verdacht stehen, die Fruchtbarkeit vorübergehend zu beeinflussen. Schau gerne in unseren Artikel zu Ibuprofen oder NSAR-Medikamenten, wenn du mehr darüber wissen möchtest.
Wir möchten dir in diesem Artikel zeigen, dass es auch andere Wege gibt, Migräne zu begleiten. Ob zur Vorbeugung oder zur Linderung im Akutfall: Es gibt viele Möglichkeiten, deinem Körper achtsam und wirkungsvoll zu helfen.
Bevor wir dir verschiedene Ansätze vorstellen, werfen wir einen kurzen Blick darauf, was Migräne eigentlich ist und woher sie kommt. Denn wie so oft ist ein besseres Verständnis der eigenen Symptome ein erster Schritt zu einem bewussteren Umgang mit ihnen:
- Was ist Migräne?
- Was steckt hinter Migräne?
- Warum sind Frauen häufiger betroffen?
- Was sind mögliche Migräne-Trigger?
Wenn der Kopf Alarm schlägt: Migräne verstehen
Was ist Migräne?
Migräne äußert sich typischerweise in starken Kopfschmerzen, die viele Betroffene regelrecht aus dem Alltag reißen. Der Begriff „Migräne“ leitet sich von dem Altgriechischen Wort hēmikranía, also hemi (halb) und kranion (Schädel) ab und verweist auf den oft halbseitig lokalisierten Schmerz.
Doch Migräne ist weit mehr als nur Kopfschmerz. Häufig gehen die Attacken mit einer ganzen Reihe von Begleiterscheinungen einher: Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit, teils mit Erbrechen, ein ausgeprägtes Ruhebedürfnis sowie eine Verschlimmerung des Schmerzes bei Bewegung.
Die Attacken selbst können nur wenige Stunden dauern oder sich über mehrere Tage hinziehen. In dieser Zeit fühlen sich viele Betroffene nicht arbeitsfähig oder alltagstauglich.
Was steckt hinter Migräne?
Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, bei der bestimmte Hirnareale überaktiv reagieren. Auch wenn die genauen Mechanismen noch nicht vollständig verstanden sind, geht man davon aus, dass bei Betroffenen das Gehirn besonders reizempfindlich ist und Sinneseindrücke anders verarbeitet werden als bei Menschen ohne Migräne.
Als Grund dafür wird von einem sogenannten Migränegenerator gesprochen. Dieses spezielle Netzwerk im Gehirn sorgt dafür, dass…
- … bestimmte Trigger wie Stress, Schlafmangel oder hormonelle Schwankungen die Balance zwischen erregenden und hemmenden Nervenbotenstoffen im Gehirn verschieben. Dabei kommt es unter anderem zu einer erhöhten glutamatergen Aktivität, wodurch die neuronale Reizschwelle sinkt. Die gesteigerte Erregbarkeit begünstigt die Aktivierung des trigeminovaskulären Systems, eines Nervengeflechts, das Schmerzsignale aus dem Kopfbereich verarbeitet. Das Gehirn befindet sich dadurch in einem Zustand erhöhter Alarmbereitschaft und reagiert überempfindlicher auf eigentlich normale Reize.
- Sobald das Trigeminussystem aktiviert ist, werden sogenannte CGRP-Moleküle (Calcitonin Gene-Related Peptide) freigesetzt,die nicht nur für eine Erweiterung der Blutgefäße im Gehirn sorgen, sondern auch neurogene Entzündungsreaktionen in den Hirnhäuten vermitteln können.
- Die dortigen Schmerzrezeptoren reagieren darauf überempfindlich und selbst das normale Pulsieren der Gefäße wird dann als hämmernder Schmerz wahrgenommen.
Interessant: Bei Menschen mit chronischer Migräne ist der CGRP-Spiegel oft dauerhaft erhöht, auch zwischen den Anfällen. Dadurch könnte es sein, dass das “Migräne-Gehirn” generell sensibler auf Reize reagiert.
Obwohl Migräne familiär gehäuft auftreten kann, gibt es kein einzelnes „Migräne-Gen“. Vielmehr sind es genetische Varianten, die das Gehirn insgesamt anfälliger für Migräne machen. Das bedeutet aber auch: Nicht jede Person mit familiärer Vorbelastung muss selbst betroffen sein und Migräne wird auch nicht automatisch an Kinder vererbt. Genauso ist es wichtig zu betonen, dass Migräne eine ernstzunehmende neurologische Erkrankung ist, für die die Betroffenen nichts können.
Warum sind Frauen häufiger betroffen?
Migräne betrifft deutlich mehr Frauen als Männer. Während der Hormonspiegel bei Männern vergleichsweise konstant bleibt, schwankt er bei Frauen im Laufe des Zyklus deutlich. Diese natürlichen Veränderungen im weiblichen Hormonzyklus scheinen das Migräne-Areal besonders zu fordern.
Vor allem rund um die Menstruation treten Migräneattacken gehäuft auf. Bei etwa sechs bis sieben Prozent der betroffenen Frauen besteht laut der deutschen MigräneLiga e.V. eine sogenannte menstruelle Migräne, also Migräne, die ausschließlich in Verbindung mit der Menstruationsphase auftritt. Bei vielen anderen Frauen verschärfen sich die Beschwerden zwar während der Periode, können aber auch an anderen Tagen im Zyklus vorkommen.
Die hormonellen Abläufe im Zyklus sind komplex, aber man weiß, dass nach der Menstruation der Östrogenspiegel ansteigt, zur Zyklusmitte seinen Höhepunkt erreicht (Eisprung) und dann am Zyklusende wieder abfällt, wenn keine Schwangerschaft eintritt. Genau dieser hormonelle Abfall steht im Verdacht bei empfindlichen Frauen den Migränegenerator anzuwerfen und Migräne auszulösen, auch wenn die genauen Mechanismen noch nicht vollständig verstanden sind.
- Hormonelle Schwankungen (v.a. bei Frauen)
- Stress und Emotionen:
Emotionale Belastungen, Stress sowie Entlastungsreaktionen nach Stress („Wochenend-Migräne”) - Schlaf und Biorhythmus:
Veränderungen des Schlaf-Wachrhythmus - Ernährung & Konsum:
Alkohol (vor allem Rotwein), Nikotin und bestimmte Nahrungsmittel sowie Schwankungen des Blutzucker- und auch Koffein-Spiegels - Umwelt & Wetter:
Wetterumschwünge (Änderungen in Temperatur, Luftdruck, Feuchtigkeit, etc.)
Intensives Licht, Flimmern, Lärm oder starke Gerüche
Ganzheitliche Unterstützung bei Migräne: Was dir helfen kann
Migräne entsteht nicht einfach aus dem Nichts, oft sind es verschiedene Faktoren, die zusammenkommen und das sensible Nervensystem überfordern. Umso wichtiger ist es, achtsam auf den eigenen Lebensrhythmus zu achten. Es gibt einige bewährte Grundlagen, die dabei helfen können, Migräneanfälle seltener oder milder zu erleben, vor allem, wenn du zu sensiblen Reaktionen neigst:
- Ein regelmäßiger, ausgewogener Schlafrhythmus
- Regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeit, um dein Gehirn mit Energie zu versorgen
- Strukturierte Tagesabläufe
- Bewusste Entspannung, z. B. durch Atemübungen, Meditation oder sanftes Yoga
- Ausdauerbewegung, idealerweise 2- bis 3-mal pro Woche
- Vermeidung individueller Trigger
Viele Betroffene und auch Ärzt:innen empfehlen das Führen eines Migräne- oder Kopfschmerztagebuchs. Es hilft dir, Zusammenhänge zwischen Alltag, Zyklus und Anfällen besser zu erkennen und langfristig deine eigene Migränestrategie zu entwickeln. Listen von Fachpersonen zum Thema Migräne findest du auf der Seite der MigräneLiga e.V. Deutschland: Ärzte und Kliniken | MigräneLiga e.V. Deutschland.
Und weil wir wissen, dass du manchmal neue Wege gehen möchtest, haben wir weiter recherchiert. Im nächsten Abschnitt stellen wir dir einige Hilfsmittel und begleitende Maßnahmen vor, die bei Migräne sanft unterstützen können, ganz ohne NSAR und andere Medikamente:
Nährstoffe, die dein Nervensystem stärken können
Die Studienlage zum Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln bei Migräne ist insgesamt noch begrenzt, dennoch gibt es Hinweise darauf, dass bestimmte Mikronährstoffe und bioaktive Substanzen eine unterstützende Rolle in der Vorbeugung oder im akuten Anfall spielen könnten:
- Magnesium:
Könnte die Erregbarkeit deiner Nervenzellen senken und die Blutgefäße stabilisieren. Studien untersuchen Magnesium im Zusammenhang mit Prävention und Begleitung von Migräne. - Vitamin B2 (Riboflavin):
Könnte dir helfen, Energieengpässe im Gehirn und damit eine gestörte Energiebereitstellung auszugleichen.
Studien befassen sich überwiegend mit dem präventiven Kontext. - Coenzym Q10:
Könnte dir durch oxidativen Zellschutz helfen, Energieengpässe im Gehirn zu überbrücken. In Studien wurden positive Effekte auf Häufigkeit und Stärke der Anfälle beobachtet. - L-Carnitin:
Könnte dir durch den Transport von Fettsäuren in die Mitochondrien (die "Kraftwerke" unserer Zellen) helfen, Energieengpässe im Gehirn zu vermeiden. Es gibt erste Hinweise auf mögliche Wirksamkeit bei Migräne in Kombination mit Coenzym Q10.
Ein Präparat, das einen Teil dieser Stoffe gezielt kombiniert, ist Migravent®, zum Diätmanagement bei Migräne.
Dabei handelt es sich um ein Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke, welches speziell auf die Bedürfnisse von Migränepatient:innen abgestimmt ist und einen möglichen Mehrbedarf gezielt ausgleicht. Im Fokus stehen Magnesium, Riboflavin (Vitamin B2) und Coenzym Q10, ergänzt durch weitere Vitamine, Mineralstoffe und Bioflavonoide. Auch wenn die Studienlage insgesamt noch begrenzt ist, berichten viele Anwender:innen von einer spürbaren Linderung ihrer Beschwerden, besonders bei regelmäßiger Einnahme über mehrere Wochen hinweg. Eine Absprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ist auf jeden Fall wichtig.
Reize, die beruhigen: Neurostimulation
Ein gemeinsamer Beitrag der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) sowie ein Statement der American Headache Society machen deutlich: Es gibt verschiedene Formen der gezielten Nervenstimulation, die gerade bei Migräne unterstützend wirken könnten, auch wenn die Liste an signifikanten Studienergebnissen noch klein ist:
Impulse, die dich stärken können: Psychologische Verfahren
Migräne hat viele Ursachen: körperliche, hormonelle, aber auch psychische Belastungen spielen eine Rolle. Die DMKG und DGN verweisen hierbei auf die Wirksamkeit von Verhaltenstherapie, Entspannung und Biofeedback, um die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen zu reduzieren. Besonders sinnvoll sind diese Methoden, wenn Stress oder chronische Schmerzen eine Rolle spielen.
Rituale, die dich ins Gleichgewicht bringen können
Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung (PMR), Atemübungen, Biofeedback oder Hypnose können helfen, Migräne vorzubeugen oder im Akutfall abzumildern. Sie senken das Stresslevel, fördern Gelassenheit und stärken so auch die Schmerztoleranz. Besonders die regelmäßige Anwendung ist entscheidend.
Auch Achtsamkeit z. B. durch Meditation oder MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) wirkt stressreduzierend, verbessert die Lebensqualität und kann die Häufigkeit von Migräneattacken senken.
Fazit: Hinhören, verstehen, ausprobieren
Migräne ist komplex und genauso individuell wie du. Gerade bei zyklusbedingter Migräne lohnt sich ein ganzheitlicher Blick: auf dein Nervensystem, deine Hormone, deinen Alltag. Methoden aus Ernährung, Entspannung, Neurostimulation und Psychotherapie können eine wertvolle Ergänzung oder Alternative zur klassischen Schmerztherapie sein, besonders auf der Kinderwunschreise. Wichtig ist, dass du dich selbst und deine Auslöser besser kennenlernst und deinen eigenen Weg findest. Mit Wissen, Achtsamkeit und Unterstützung kannst du Migräne nicht nur ertragen, sondern aktiv begleiten.
Auch Mikronährstoffe können im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes eine Rolle spielen.
Bestimmte Nährstoffe wie Magnesium, Riboflavin (Vitamin B2) oder Coenzym Q10 sind an zentralen Prozessen der Nervenfunktion, der Energiegewinnung und der Reizverarbeitung beteiligt. In wissenschaftlichen Studien wird ihr Einsatz im Zusammenhang mit Migräne untersucht, insbesondere im vorbeugenden Kontext. Sie ersetzen keine medizinische Therapie, können aber Teil einer begleitenden Strategie sein.
Ein Präparat, das u.a. diese ausgewählten Mikronährstoffe kombiniert, ist Migravent®.
Die enthaltene Zusammensetzung orientiert sich an Nährstoffen, die in der Migräneforschung regelmäßig thematisiert werden. Gerade für Menschen, die eine gut strukturierte, ergänzende Unterstützung suchen und NSAR (z.B. aufgrund von Kinderwunsch) möglichst vermeiden möchten, kann dies eine Option im Rahmen eines ärztlich begleiteten Gesamtkonzepts sein.
Eine individuelle Einordnung ist wichtig. Sprich insbesondere bei Kinderwunsch, Schwangerschaft oder bestehenden Erkrankungen vor der Einnahme mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Quellen:
Frauen-Broschuere-2025-NEU.pdf
Manual_Migr−ne_08_05
The effects of concurrent Coenzyme Q10, L-carnitine supplementation in migraine prophylaxis: A randomized, placebo-controlled, double-blind trial - Parisa Hajihashemi, Gholamreza Askari, Fariborz Khorvash, Mohammad Reza Maracy, Mojgan Nourian, 2019
Efficacy of CoQ10 as supplementation for migraine: A meta-analysis - PubMed
Oral coenzyme Q10 supplementation in patients with migraine: Effects on clinical features and inflammatory markers - PubMed
Coenzyme Q10 deficiency and response to supplementation in pediatric and adolescent migraine - PubMed
A combination of coenzyme Q10, feverfew and magnesium for migraine prophylaxis: a prospective observational study - PubMed
The effects of concurrent Coenzyme Q10, L-carnitine supplementation in migraine prophylaxis: A randomized, placebo-controlled, double-blind trial - Parisa Hajihashemi, Gholamreza Askari, Fariborz Khorvash, Mohammad Reza Maracy, Mojgan Nourian, 2019
Improvement of migraine symptoms with a proprietary supplement containing riboflavin, magnesium and Q10: a randomized, placebo-controlled, double-blind, multicenter trial - PubMed
DRKS - Deutsches Register Klinischer Studien
030-057l_S1_Therapie-der-Migraeneattacke-Prophylaxe-der-Migraene_2024-06.pdf
The American Headache Society Consensus Statement: Update on integrating new migraine treatments into clinical practice - PubMed
Phase 3 randomized, double-blind, sham-controlled Trial of e-TNS for the Acute treatment of Migraine (TEAM) - PubMed
External trigeminal neurostimulation in patients with chronic migraine - PubMed
Evidence-based symptomatic treatment of migraine - PubMed
Trigeminal nerve stimulation: a current state-of-the-art review - PubMed
Non-invasive neuromodulation in the acute treatment of migraine: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials - PubMed
Transcutaneous auricular vagus nerve stimulation (taVNS) for migraine: an fMRI study - PubMed
Transcutaneous vagus nerve stimulation - A brief introduction and overview - PubMed
Evidence-based symptomatic treatment of migraine - PubMed
Non-invasive neuromodulation in the acute treatment of migraine: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials - PubMed
Transcranial Magnetic Stimulation in the Treatment of Neurological Diseases - PubMed
Evidence-based symptomatic treatment of migraine - PubMed
Non-invasive neuromodulation in the acute treatment of migraine: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials - PubMed
Acupuncture and Its Role in the Treatment of Migraine Headaches - PMC
Efficacy of Acupuncture-Related Therapy for Migraine: A Systematic Review and Network Meta-Analysis - PubMed
Acupuncture for acute migraine attacks in adults: a systematic review and meta-analysis - PubMed
Acupuncture for the Treatment of Migraine: An Overview of Systematic Reviews - PubMed
The effects of acupuncture therapy in migraine: An activation likelihood estimation meta-analysis - PubMed